St. Johannis Kirche, Ellrich
Begegnungszentrum mit Netzwerkkirche
Die langjährige Auseinandersetzung unseres Architekturbüros mit der wechselvollen Baugeschichte, dem Denkmal sowie den Bedürfnissen und Wünschen der Kirchengemeinde war Grundlage für den architektonischen Entwurf zum Umbau des Kirchenraumes als Begegnungszentrum.
Die Öffnung der gotischen Spitzbögen in der massiven Natursteinwand zwischen Kirchenraum und Kirchturm hat aufgrund der neuen Wege und Sichtbeziehungen zu einer entscheidenden Aufwertung der Raum- und Aufenthaltsqualität geführt.
Die neuen im Grundriss und in der Vertikalen gestaffelten Raummöbel im Kirchenraum - Musikempore und freistehende Paravents - wurden ganz behutsam nur im westlichen Teil des Mittelschiffes sowie im östlichen Teil der Seitenschiffe angeordnet, um die lichtdurchflutete Raumqualität der gotischen Basilika erlebbar zu erhalten.
Die neuen Materialien und Oberflächen, wie rostbraune Metallrahmen, vorhangartige Paravents sowie bronze-farben getönte Glastüren und Emporengeländer, thematisieren die vorhandene Materialsichtigkeit und Farbigkeit der gotischen Architektur und führen zu einem neuen Ganzen.
Der Entwurf unseres Architekturbüros beinhaltet ganz bewusst einen größtmöglichen konservatorischen Ansatz, d. h. den größtmöglichen Erhalt vorhandener Alterungs- und Nutzungsspuren des Sakralraumes mit all seinen historischen Oberflächen als wichtige, authentische Zeitzeugnisse, die ganz wesentlich für die Erlebbarkeit der einzigartigen Architektur- und Raumqualität sind.
Tourismuszentrum mit Aussichtsturm
Die Stadt Ellrich, die nördlichste Stadt Thüringens, hat eine wechselvolle Geschichte, in der die Stadtkirche St. Johannis im Mittelpunkt steht. Zerstörung und Trauer prägten die Erinnerungen, besonders durch den Abriss des Turmes in den 1960er Jahren. Die Bürger hielten dennoch hartnäckig an der Idee ihrer Kirche und des Turms fest.
Der Entwurf für den Wiederaufbau thematisiert diesen Gedanken, ohne zu rekonstruieren. Die moderne Bauweise aus Waschbeton- und Massivholz-Fertigteilen sowie die Neuinterpretation der historischen Kubatur spielen eine zentrale Rolle. Der Bestand bleibt größtenteils unberührt und wird in den neuen Turm integriert.
Der Entwurf schafft die Voraussetzungen für ein nachhaltiges Nutzungskonzept als Tourismuszentrum mit Aussichtsturm, Vereins- und Ausstellungsräumen.